Kaum ein Thema sorgt bei Eltern für so viel Verwirrung wie die Frage: Asperger oder Autismus, wo liegt eigentlich der Unterschied? Vielleicht haben Sie beide Begriffe gehört und fragen sich, was nun auf Ihr Kind zutrifft. Wir erklären es Ihnen ruhig und einfach, ohne Fachchinesisch. So viel vorweg: Die Antwort ist einfacher, als viele denken, und sie nimmt hoffentlich ein wenig Druck von Ihren Schultern.

Asperger oder Autismus: Heute gehört beides zusammen

Die wichtigste Nachricht zuerst: Nach dem heute gängigen Verständnis ist das Asperger-Syndrom keine eigene, getrennte Diagnose mehr. Es gilt als Teil des großen Autismus-Spektrums. Fachlich spricht man deshalb heute meist von einer Autismus-Spektrum-Störung, unabhängig davon, ob früher der Begriff Asperger verwendet wurde. Wenn Sie sich also fragen, ob es Asperger oder Autismus ist, lautet die entlastende Antwort: Asperger ist eine Form von Autismus.

Woher der Begriff Asperger kommt

Der Begriff geht auf den Wiener Kinderarzt Hans Asperger zurück und wurde lange für Menschen im Spektrum verwendet, die sich früh und gut sprachlich ausdrücken und keine Verzögerung in der Sprachentwicklung zeigen. Über viele Jahre stand Asperger-Syndrom als eigene Diagnose in den Handbüchern. In den aktuellen Klassifikationssystemen wurde diese Trennung jedoch aufgehoben, weil die Übergänge fließend sind und sich Menschen im Spektrum nicht sauber in Schubladen sortieren lassen.

Was Menschen im Spektrum verbindet

Ob nun früher Asperger genannt oder nicht, es gibt gemeinsame Kernmerkmale, die sich je nach Mensch sehr unterschiedlich zeigen:

Das Wort Spektrum ist dabei entscheidend. Es beschreibt eine große Bandbreite, kein Entweder-oder. Zwei Kinder mit derselben Einordnung können völlig verschieden sein.

Wo früher unterschieden wurde

Historisch wurde vor allem an der Sprachentwicklung unterschieden. Kinder, die man dem Asperger-Bereich zuordnete, sprachen oft früh, differenziert und wirkten sprachlich sehr fit. Deshalb hält sich bis heute das Bild vom besonders wortgewandten Kind. Doch dieses Bild kann in die Irre führen: Auch ein Kind, das sich sprachlich gut ausdrückt, kann im Alltag stark belastet sein, etwa durch Reizüberflutung oder soziale Erschöpfung. Genau deshalb ist die alte Trennung heute weniger wichtig als die Frage, welche Unterstützung Ihr Kind konkret braucht.

Warum das Etikett weniger zählt als Ihr Kind

Es ist verständlich, dass Sie den richtigen Begriff wissen möchten. Doch am Ende ist wichtiger, wie Sie Ihr Kind im Alltag verstehen und begleiten. Genau hier hilft die RUHE-Methode, ganz gleich, welcher Begriff im Bericht steht:

Diese vier Schritte funktionieren unabhängig davon, ob Sie das Wort Asperger oder Autismus verwenden.

Wenn Sie Klarheit über die Einordnung möchten

Wollen Sie wissen, wie Ihr Kind fachlich eingeordnet wird, führt der Weg über eine sorgfältige Abklärung bei spezialisierten Fachleuten. Nur sie können beurteilen, was genau vorliegt und welche Unterstützung passt. Begriffe aus dem Internet oder aus Gesprächen im Bekanntenkreis sind gut gemeint, ersetzen aber keine fachliche Einschätzung.

Warum viele Eltern den Begriff Asperger dennoch behalten

Auch wenn Asperger fachlich nicht mehr als eigene Diagnose geführt wird, verwenden viele Familien und auch viele Betroffene den Begriff bewusst weiter. Für manche Menschen ist Asperger ein Teil ihrer Identität geworden, ein Wort, mit dem sie sich beschrieben und verstanden fühlen. Das ist völlig in Ordnung. Sprache darf trösten und Zugehörigkeit schaffen. Wenn Ihr Kind oder Ihre Familie sich mit dem Begriff wohler fühlt, dürfen Sie ihn weiter benutzen. Wichtig ist nur zu wissen, dass in aktuellen Berichten meist von einer Autismus-Spektrum-Störung die Rede sein wird, und dass damit dasselbe gemeint ist.

Was das für den Alltag Ihres Kindes bedeutet

Ob Asperger oder Autismus, entscheidend ist, dass Ihr Kind Verständnis und passende Unterstützung erfährt. Ein Kind, das sich sprachlich gut ausdrückt, wird manchmal überschätzt, weil man ihm die inneren Anstrengungen nicht ansieht. Nehmen Sie Erschöpfung, Rückzug oder Gereiztheit ernst, auch wenn Ihr Kind nach außen kompetent wirkt. Umgekehrt darf ein Kind, das sich schwerer mit Sprache tut, niemals unterschätzt werden. Hinter beidem steckt ein Mensch mit eigenen Stärken, der gesehen werden möchte.

Ein sanfter nächster Schritt

Wenn Ihnen die vielen Begriffe bisher Kopfzerbrechen bereitet haben, dürfen Sie jetzt durchatmen. Ihr Kind bleibt dasselbe, egal welches Wort man wählt. Wenn Sie Ihr Kind noch besser verstehen und im Alltag begleiten möchten, lädt Sie unser kostenloser Eltern-Guide ein, in Ruhe die ersten Schritte zu gehen, warmherzig und ohne Fachjargon.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung, Diagnostik oder Therapie.