Kaum ein Thema macht Eltern so schnell ein schlechtes Gewissen wie dieses: Bildschirmzeit. Und kaum ein Thema wird beim Autismus so oft falsch bewertet. Denn was von außen wie „zu viel Tablet“ aussieht, ist für viele autistische Kinder etwas anderes: eine verlässliche Pause von einer anstrengenden Welt.

Warum Bildschirme so anziehend sind

Ein Video ist alles, was der Alltag nicht ist: vorhersehbar, kontrollierbar, immer gleich. Dein Kind bestimmt, was läuft, wie laut, wie oft – und die zwanzigste Wiederholung derselben Folge ist kein Stillstand, sondern Erholung. Kein soziales Rätselraten, keine überraschenden Reize. Nach einem vollen Kindergartentag ist das Tablet für manche Kinder das, was für uns das Sofa ist.

Das heißt nicht, dass alles egal ist. Es heißt: Bildschirmzeit ist bei autistischen Kindern oft Regulation – und wer sie nur als Suchtgefahr behandelt, nimmt dem Kind ein Werkzeug weg, ohne Ersatz zu geben.

Regeln, die wirklich funktionieren

Wenn das Tablet zum Dauerausgang wird

Braucht dein Kind den Bildschirm ständig, lohnt der Blick dahinter: Wovon erholt es sich da eigentlich? Oft ist zu viel Bildschirm ein Zeichen für zu viel Fass – zu viele Reize, zu wenig andere Erholungsinseln. Dann hilft es mehr, den Alltag zu entlasten und reizarme Alternativen anzubieten, als das Tablet wegzusperren.

Ein ehrlicher Maßstab zum Schluss: Ein Kind, das sich mit dem Tablet reguliert, macht nichts falsch. Und Eltern, die es erlauben, auch nicht.

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